Archiv für November 2015

Was sie wollen,von beiden Seiten,ist,dass wir in Angst leben

Übersetzung aus dem Französischen

Körper, die verstreut auf den Terrassen von mehreren Cafés herumliegen, bedeckt mit Decken, mit Laken. Und dann das Grauen vom Gemetzel, das in diesem Theatersaal stattgefunden hat. Unmöglich, sich vorzustellen, was die Zuschauer von diesem Konzert erlebt haben. Es scheint surrealistisch. Leute, die ein Konzert schauen kamen und die um sich herum die Leute wie Fliegen einen nach dem anderen hinfallen sahen, die sich unter toten Körpern verstecken mussten, um zu überleben, inmitten des Blutes und des menschlichen Fleisches kriechen mussten, um zu entkommen, um die eigene Haut zu retten.

Unmöglich, mit diesem Tatbestand klarzukommen. Dass es Fanatiker gibt, Gottesnarren, die im Namen von ihrer Religion, ohne Unterscheidung, eine Kugel unter die Haut von allen lebenden Leuten setzen, die das Unglück haben, ihren Weg zu kreuzen. Übertrainierte Kamikazes, welchen selbsternannte religiöse Führer versprochen haben, dass sie ins Paradies kommen werden, wenn sie in ihrem mörderischen Wahn so viele Leute wie möglich mitnehmen. Und der einzige Zweck von all dem ist es, Terror aufzuerlegen. Die beklemmende Angst von jenen Eltern, die auf Nachrichten von ihren Jünglingen warteten, welche diesen Freitagabend ausgingen, um mit ihren Freunden ein Glas zu trinken. Die Beklemmung von allen Nahestehenden, die Stunden für Stunden damit verbracht haben, von Spital zu Spital zu gehen, um zu wissen, ob die Person, die sie suchen, tot oder nur verletzt ist. Diejenigen den Geschmack des Blutes riechen lassen, die in einer befriedeten Gesellschaft leben, weit entfernt von den Kämpfen, welche die Armee von einer Nation führt, die sie nicht gewählt haben. Eine Bevölkerung bestrafen, weil ein Staat sich entschieden hat, einen Krieg zu führen, Personen verantwortlich zu machen, die in diesen Entscheidungen nicht ihr Wort zu sagen hatten. Sich an einem Staat rächen, auf die feigste und einfachste Weise, indem man nicht die Betreffenden heimsucht, sondern Eier aufschlägt, bloss um eine Kräftedemonstration abzugeben, und ein blutiges Omelett anzurichten.

Man fühlt sich betroffen. Betroffen durch diese Art von unterschiedslosen Massakern, die in jedem Individuum nur zu verlierende Leben sehen, Körper, in die es Kugeln zu versetzen gilt, schlicht aufgrund dessen, sich im falschen Moment am falschen Ort befunden zu haben, das Unglück gehabt zu haben, den Gewehrlauf von einem dieser Gottesnarren gekreuzt zu haben, welche genauso wie der Staat unsere Feinde sind, und was auch immer die Ideologie von diesen Fanatikern ist. Diese Gottesnarren, die heute im Namen ihres religiösen Fanatismus in Syrien, im Irak, in Tunesien, im Niger, in Ägypten, im Libanon, und in Paris… Massaker begehen. Aber wir wissen, dass, unter anderen Ideologien, andere anderswo auf der Welt Taten verübt haben und weiter verüben, die bloss darauf abzielen, im Namen von der Freiheit feindlichen Ideen wahllos abzuknallen. Und wir sprechen hier von der ganzheitlichen, totalen und unteilbaren Freiheit. Jene, gegen jede Autorität zu blasphemieren und alle Mächte zu zerstören, ob sie nun in den heiligen Büchern oder an den Frontispizen der Staaten sitzen. Und nicht jene, die der Staat wie eine Marotte bewegt, während er uns, er ebenfalls, durch den Terror regiert.

Man weiss nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Einerseits gibt es diesen Schrecken, der uns als schlichtes Individuum ergreift, das sich per Zufall hätte dort befinden können, das seine Nahestehenden hätte verlieren können, und das sich auf egoistische Weise erleichtert fühlt, dass dies nicht geschehen ist, aber das sich sagt, dass es nicht vorbei ist, und dass man dieses Mal „Glück“ gehabt hat. Und andererseits gibt es die Antwort des Staates, welche uns alle direkt betrifft. Der Ausnahmezustand, den der Präsident bereits um 3 Monate verlängern will. Die Macht des Staates über unsere Leben und unsere Aktivitäten hat sich verzehnfacht. Die Möglichkeit, Ausgangssperren zu verhängen, bestimmten Personen gewisse Zonen zu verbieten, jeden öffentlichen oder Publikum empfangenden Ort schliessen zu lassen, jede Versammlung (die „Unordnung provozieren würde“) zu verbieten, Hausdurchsuchungen bei Tage wie bei Nacht durchzuführen, direkt die Kontrolle der Presse, des Radios und des Fernsehens zu übernehmen, und die Drohung, die über all denjenigen schwebt, die eine S-Kartei haben, welche ebenso sehr den religiösen Fanatikern wie den Revolutionären und vielen anderen zugewiesen wurde, wie, um sie in ein und denselben Korb zu werfen. Und dann gibt es das Aufgebot von Soldaten und Bullen in den Strassen, immer mehr, welche das Bedürfnis verspüren werden, uns eine Demonstration von der zusätzlichen Macht zu geben, die ihnen der Staat verliehen hat; die Schliessung der Grenzen. Und die berühmte „nationale Einheit“. Diejenige der zwei Weltkriege, im Namen von welcher Tausende von Armen ins Gemetzel geschickt wurden; diejenige des Algerienkrieges, worin Folter und Massaker Banalitäten wurden. Die nationale Einheit, die Feindin von den Revolutionären, von jenen, die sich dem Staat entledigen, und ihn nicht sich in einem solchen Kontext opportun stärken sehen wollen. Diejenige, die dafür sorgt, dass sich Mengen andächtig an diesen Todesorten versammeln kommen, während sie, eingehüllt in französische Fahnen, und „Vive la France, vive la République“ schreiend, die Marseillaise anstimmen. Die von Freiheit sprechen, als ob wir vor dieser Tragödie frei gewesen wären. Was gewissermassen darauf hinausläuft, den Ausnahmezustand zu akzeptieren, sich zu sagen, dass es diese Gottesnarren sind, die uns unsere Freiheit genommen haben, und so den Staat vollständig reinwaschen, ihm Entschuldigungen finden. Dieselbe nationale Einheit, welche den Zugriff des Staates auf unsere Leben akzeptieren lässt, ist auch diejenige, welche die religiösen Verantwortlichen sich versammeln lässt, während es doch sie sind, ganz egal welcher Art, welche den Fanatismus nähren, auch wenn sie sich moderat nennen.

Was sie wollen, von beiden Seiten, ist, dass wir in Angst leben, und dass wir aufhören, lebendig zu sein, dass wir unsere Gewohnheiten ändern, dass wir resignieren und einsichtig zuhause bleiben, keine Kritiken erheben. Aber wir werden diesen Terror nicht akzeptieren, den sie uns aufzwingen. Diese Totenstille, die sie herrschen lassen möchten. Und wir werden niemals die Alternativen akzeptieren, welche uns die Staaten bieten, die selbst zu jedem Terror fähig sind, den man von ihnen kennt, oft unter dem der „anti-terroristischen“ Flagge.
So fügen wir zum Salz von unseren Tränen den Pfeffer von unserer Wut, zu leben, und von unserm Verlangen nach Revolte.
Sie werden aus uns keine Resignierten machen können.

Lasst uns lebendig und revoltierend sein, gegen alle Mächte! Weder Religionen, noch Nationalismus!

[publiziert von Non Fides]

Quelle: indymedia.org, Was sie wollen,von beiden Seiten,ist,dass wir in Angst leben

Job gesucht? Eine Wandzeitung

Ihr Zuckerbrot schmeckt alt und vergammelt, wie aus dem vergangenen Jahrhundert, ihre Versprechungen sind fürn Arsch.

Eine Wandzeitung – unten pdf zum download

„Damals in meener Schulzeit habn meene Eltern und de LehrerInnen imma jesacht, aus ma wird doch eh nüscht! Irgendwie hattn se recht…

Ja, was sollte aus mir auch schon werden? Meine Noten waren ziemlich mies, Spaß hat mir das ganze Rumgehocke in der Schule auch nicht gemacht. Warum sollte ich auch das tun, was von mir verlangt wurde? Ich habe mir zu dieser Zeit keine Gedanken gemacht, was mal aus mir werden wird. Wer will sich als Jugendlicher schon damit beschäftigen? Ich wollte mit meinen Freunden Spaß haben. Meinen Eltern bereitete ich auch immer nur Sorgen. Vorladung von den Bullen, Elterngespräche in der Schule, Saufen, Klauen, Schlägereien usw. Selbst wenn ich mich zusammengerissen habe, hat es nichts gebracht.

Nun bin ich in einer Zeitarbeitsfirma angestellt, bekomme den Mindestlohn, schufte 40 Stunden die Woche auf dem Bau und komme gerade mal so über die Runden. Heute Früh 5:00 Uhr klingelt mein Wecker. Aufstehen, anziehen, schnell Kaffee trinken, Stullen für die Arbeit schmieren und los geht’s! Die Bahn fährt mir vor der Nase weg, komme zu spät, Anschiss vom Chef und dann malochen bis 18:00 Uhr. Geht gar nicht!

Komme nach Hause. Total platt. Denke mir „geil chillen“, mache den Briefkasten auf und wat seh ich da? Kündigungsschreiben! Die müssen das noch nich ma begründen. Das heißt wieder Stress mit dem Jobcenter. Die ganze Scheiße fängt wieder von vorne an.
Was soll das für ein Leben sein?“

Und das ist nur ein Beispiel. Wie vielen Menschen geht es ähnlich?

Von klein auf wird einem von der ganzen Gesellschaft eingetrichtert, dass man arbeiten muss, weil man sonst nichts wert ist. In der Familie und dann Schule wird man nicht nur für die Arbeit vorbereitet und ausgebildet. Außerdem lernt man hier zu gehorchen. Ob es Noten oder der Lohn sind, alles führt zu Konkurrenz und Leistungsdruck. Ob man sich dem Lehrer oder dem Chef unterordnet macht keinen Unterschied. Alles hat die selbe Funktion, denn sie nehmen eine Vermittlerrolle zum Kapital ein. Du musst funktionieren. Die Logik und die Gewalt der kapitalistischen Maschinerie bedeutet Befehle auszuführen ohne die Herrschaft in Frage zu stellen.

Lohnarbeit ist Ausbeutung, weil man nicht für sich oder für die eigens ausgewählte Gemeinschaft (Hausgemeinschaft, Nachbarschaft, Familie) arbeitet, sondern für Lohn. Man verkauft seine Arbeitskraft und wird somit zur Ware. Damit ist man nicht als Person wichtig, sondern nur die Arbeit, die man leisten muss. Deswegen ist jedeR jederzeit austauschbar. Um in der bestehenden Gesellschaft zu (über-)leben, braucht man Geld, um Essen zu kaufen, die Miete zu zahlen usw.

Die andere Seite der Medaille heißt Ausbildung in die Arbeitslosenverwaltung. Ein Euro Jobs, prekäre Selbstständigkeit, Leiharbeit.Für viele reicht der Lohn kaum zum Überleben und du musst auch noch froh drum sein. Außerdem bildet die Zersplitterung der Lohnarbeitenden ein echtes Hindernis für einen gemeinsamen Kampf.

Für die allermeisten eine große Scheiße. Und doch tanzen wir nicht aus der Reihe, neigen dazu der Aufforderung zu folgen, es uns bequem zu machen. Den meisten hierzulande ist neben der Arbeit die Rolle der Zuschauern zugedacht. Bildschirm ansehen und schöne Sachen kaufen soll reichen.

Solange wir im Kapitalismus leben, kann man sich der Ausbeutung nicht entziehen, da der Kapitalismus auf ihr beruht und anders nicht funktionieren kann. Um ein besseres Leben führen zu können, müssen wir nach Lösungen außerhalb dieser Logik suchen. Es geht nicht darum, Arbeitsverhältnisse zu verbessern (z.B. durch die Einführung des Mindestlohns), sondern Lohnarbeit abzuschaffen. Das heißt nicht, dass arbeiten nicht notwendig ist, sondern es ist wichtig, Wissen und Verantwortung zu teilen und zu übernehmen. Da wir Lohnarbeit im Ganzen ablehnen, brauchen wir keine Gewerkschaften, die zwischen uns und dem Kapital vermitteln, weil wir selbstbestimmt und selbstverwaltet leben wollen. JedeR kann für sich selbst am besten entscheiden.

Wenn wir, statt unsere Kreativität und Energie ins Kapital einzuspeisen, tatsächlich beginnen, eigene Zielsetzungen zu entwickeln und dafür zu arbeiten; wenn wir uns mit unserem Wissen und Fähigkeiten nach Bedarf zusammentun, dann braucht das illegale und nicht geselschaftskonforme Fähigkeiten. Sabotage,täglichen Bedarf klauen, Hausbesitzer_innen enteignen, ohne Tickets fahren, Dokumente fälschen etc.

Menschen, die auf „nicht legale“ Weise versuchen über die Runden zu kommen, werden als „Sozialschmarotzer“ oder „Parasiten“ abgestempelt . Aus einer bewussten Entscheidung oder aus der Notwendigkeit heraus sind sie jedoch diejenigen, die Herrschaft und Ausbeutung in Frage stellen.

Wir müssen uns gemeinsam klar machen, wie von oben und außen her, die Erforschung unserer Wünsche und Bedürfnisse von statten geht. Nicht um Geld zu machen und uns mit unnützen Produkten zuzuschütten, sondern mit Selbstorganisation des Alltags. Wir werden uns gegen die feindliche Übernahme unseres Lebens organisieren müssen.

Was passiert, wenn wir über ein Leben jenseits von Ausbeutung nachdenken? Bei vielen wirft das mehr Fragen als Antworten auf, verbunden mit einem Gefühl von Ohnmacht und Verlust- und Existenzängsten.

Was gibt es zu verlieren? Nichts!
Was brauchen wir mehr? Chefs oder Freunde und Familie?
Flachbildschirme zu Hause oder reicht er mit unseren Freunden in der Kneipe?
Smartphones oder gemeinsame Feste auf der Straße mit unsren Nachbarn?
Geld für Miete oder Häuser in denen wir drin leben und selbst walten?
Geld für Essen im Supermarkt oder Gärten aus denen wir uns selbst versorgen?

Eine Wandzeitung – pdf zum download

Quelle: linksunten.org, Job gesucht? Eine Wandzeitung

[Hamburg] Nazis zerstören Gedenkorte in Steilshoop und Bramfeld

Nazis zerstörten in der vergangenen Woche eine Gedenkstätte für die Opfer des NSU in Steilshoop und beschädigten und bemalten in der gleichen Nacht eine Gedenktafel für die Opfer der NS-Justiz im angrenzenden Bramfeld.

Nachdem wir am 4. November zum 4. Jahrestag der Selbstaufdeckung des NSU mehrere Gedenkorte für die Opfer des NSU in Steilshoop und Barmbek errichteten und diese und weitere Aktionen in einem Video veröffentlichten, reagierten die Nazis mit der Zerstörung eines der Gedenkorte in Steilshoop. Hierbei wurden die an der Wand angebrachten Gesichter der neun rassistischen Opfer des NSU herruntergerissen und die verbliebenen übermalt. Zudem wurde das Kürzel „SS“ an dem Gedenkort hinterlassen. Auch die Blumen wurden von den Nazis zertreten.

In Teilen des Stadtteils Steilshoop wurden zudem ca. 200 Aufkleber geklebt. Neben Aufklebern der Identitären und der NPD waren besonders massiv Aufkleber des selbsternannten Nachrichtensenders FSN.tv vertreten: Beispielsweise mit der Abkürzung des Wortes Hakenkreuz „HKN KRZ“.

Die Nazis hinterließen in Steilshoop zudem mehrere Schriftzüge. Hierbei war neben „SS“ Tags vor allem der Schriftzug „FCK Antifa“ vertreten. Auffällig hierbei war, dass die Nazis es vor allen auf „Antifa 309″ Tags und Aufkleber von uns abgesehen hatten.

Neben der Gedenkstätte in Steilshoop wurde auch eine Tafel in Bramfeld beschädigt, welche an die Opfer der NS-Justiz erinnern soll. Diese steht vor dem sogenannten „Ehrenmal“, welches an die gefallenen deutschen Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg erinnern soll. Die Nazis führten an diesem Ort in der Vergangenheit regelmäßig Gedenkveranstaltungen durch.
Die Gedenktafel an die Opfer der NS-Justiz wurde aufgestellt um das Nazidenkmal möglichst zu verdecken und nicht unkommentiert dort stehen zu lassen.

Diese Gedenktafel wurde nun zum 6. Mal seit der Aufstellung vor 14 Monaten von Nazis beschädigt oder zerstört. Es wurden die Wörter „LÜGE“ und „Ehre“, sowie der Schriftzug „FCK AFA“ auf der Gedenktafel hinterlassen (Foto 6). Zudem wurde die Tafel durch ein Messer beschädigt.

Das es sich bei den Zerstörungen in Bramfeld und Steilshoop um die gleichen Täter_Innen handelt ist offensichtlich wenn wir die Fotos vergleichen.

Wir gehen davon aus, dass die Nazis, welche in Steilshoop und Bramfeld unterwegs waren aus den an Bramfeld grenzenden Stadtteilen Farmsen und Berne stammen. Ein Outing zu den Nazis ist Anfang des Jahres erschienen.

Rassistische Hetze Stoppen – Den Widerstand in den Vierteln organisieren!

Antifa 309

Quelle, Fotos, das Video und weitere Links zum Thema: linksunten.org, [HH] Nazis zerstören Gedenkorte in Steilshoop und Bramfeld