Linke Politik auf dem grünen Scheiterhaufen

Linke Politik auf dem grünen Scheiterhaufen

Am 2. Mai 2011 hat die Stadtpolizei Zürich auf Geheiss der Einsatzleitung vom 1. Mai (der grüne Polizeivorsteher Daniel Leupi und die Kommandanten der Kantons- und Stadtpolizei) folgendes politisches Material, welches am 1. Mai auf dem Revolutionären Treff oder während der Demonstration am Morgen beschlagnahmt wurde, vernichtet:

-Bücher: “Wider den Stand der Dinge” der KriPo der Universität Zürich und andere, die auf dem Büchertisch lagen.

-Zeitungen: “Denkzettel” der Unsere Uni, “aufbau” des Revolutionären Aufbau Schweiz, 30 Ausgaben zum internationalen Tag der politischen Gefangenen, 20 Ausgaben der “Widerrede”

-Transparente zu: Politischen Gefangenen (5 Meter auf 15 Meter), Vera Gloor, Revolutionärem Treff (zwei davon), “Kampf in der Schule, Kampf in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf eure Politik”, LoRa, Aurora (Gefangenenkollektiv in Italien), “Gegen imperialistische Kriege”, “Weg mit den Kriegsprofiteuren”, Jon Telleria (ein baskischer politischer Gefangener), “Kapitalismus abschaffen – alles muss man selber machen”, zur Rechtsentwicklung, aus Italien.

-Stellwände zu: Antifaschismus, Rechtsentwicklung, Anarchie, den Roten Falken, Frauenkampf, der Revolutionären Jugend Zürich, Merke! (mit Fotos von zivilen Polizisten), Marco Camenisch, Antifeminismus, dem Hungerstreik von Silvia, Costa und Billy, politischen Gefangenen in der Schweiz, Italien und Nordirland, dem Volkskrieg in Indien, AKWs, der Roten Hilfe International, den Sparmassnahmen im Kanton Zürich, der Zeitung “Widerrede”.

-Flyer: Der KriPo, der Unseren Uni, der Uni von unten, des Revolutionären Aufbaus, zur Situation der politischen Gefangenen in der Schweiz.

-Plakate: 500 Plakate des Revolutionären Aufbau Schweiz, 20 Plakate zum internationalen Tag der politischen Gefangenen.

-Broschüren: Des Verbands Schweizer Studierendenschaften, zum indischen Befreiungskampf, zur Situation der Klassenkämpfe in Italien (auf italienisch), zu politischen Prozessen, zu Rechtsentwicklung in Italien und Deutschland.

-Schilder zu den Hungerstreikenden 1981 in Nordirland und zu aktuellen Kämpfen in Nordirischen Knästen.

Mit dieser Auflistung der vernichteten Informations-Materialien zeigt sich, wie viele verschiedene linke Gruppen und Positionen am 1. Mai auf dem Revolutionären Treff waren. Durch die Vernichtung dieses Materials hat die Einsatzleitung klar gezeigt, dass es ihnen nicht bloss um die Verhinderung einer Nachdemo geht, sondern auch um einen klaren Angriff gegen linke, antikapitalistische Inhalte als Teil des Klassenkampfes von oben.

Quelle: Revolutionärer Aufbau, Juni 2011, Linke Politik auf dem grünen Scheiterhaufen

78 JAHRE BRENNENDE BÜCHER

Wo man Bücher verbrennt, dort verbrennt man am Ende auch Menschen.

Berlin, 10. Mai 1933: Aufgerufen von der Deutschen Studentenschaft bewegt sich ein Zug von Studenten und Professoren, Mitgliedern der NSDAP und nationalsozialistischer Verbände in Richtung Opernplatz. Insgesamt sind etwa 40.000 Menschen zusammengekommen, um Zeuge eines großen Spektakels zu werden: In Lastwagen und Ochsenkarren werden aus aller Herren Haushalte Bücher „nichtarischer“ und „zersetzender“, „undeutscher“ und „volksfremder“ Autoren herbeigeschafft, um sie im offenen Feuer zu verbrennen. Begleitet von so genannten „Feuersprüchen“ fliegen die verhassten Schriften nach und nach in die Flammen. Reichspropagandaminster Joseph Goebbels beschwört in glühender Rede das Feuer als Zeichen, dass „in Deutschland die Nation sich innerlich und äußerlich gereinigt hat.“

Nicht nur in Berlin, auch in vielen anderen Universitätsstädten brannten die Bücher in jenem Frühjahr 1933. Die pathetischen Inszenierungen irgendwo zwischen Lagerfeuerromantik und Teufelsaustreibung waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Höhepunkt der Kampagne „Wider den undeutschen Geist“, die vom Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft vorbereitet worden war. Teil dieser Aktion waren „Schwarze Listen“ für die „Säuberung“ öffentlicher und privater Bibliotheken von „zersetzendem Schrifttum“, aber auch Veröffentlichungen in der Tagespresse mit Namen „nicht tragbarer“ Autoren sowie die Nennung der Plätze für die nächtlichen Verbrennungen. Hier wanderte alles auf den Scheiterhaufen, was sich des „politischen Verrats“ oder der „Gesinnungslumperei“ schuldig machte. Diese schwammigen Kriterien dehnte man freilich auf alles aus, was nicht der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie entsprach.

Quelle: Wissen.de/Geschichte, “Feuersprüche“ hallen durch Deutschland