
In allen Teilen der Welt gehen am 1. Mai viele Millionen Menschen auf die Straße. Aktive aus linken und revolutionären Organisationen, aus Gewerkschaften und verschiedenen Bewegungen bringen ihre täglichen Forderungen und Kämpfe auf einen Punkt: Für den Klassenkampf – gegen Kapital und bürgerliche Regierungen. Für eine Welt in der die Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht nach Verwertungsinteressen, sondern nach den Bedürfnissen aller gestaltet werden. Für eine Perspektive jenseits des Kapitalismus, des Nationalismus und des Faschismus.
Für den Großteil der Weltbevölkerung sind die Auswirkungen noch verheerender. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Armen zu, die keinen Zugang zu Trinkwasser, ausreichend Nahrungsmitteln oder medizinischer Versorgung haben. Millionen arbeiten in „Billiglohnfabriken“ unter kaum zu ertragenden Arbeitsbedingungen. Rohstoffe werden von den westlichen Konzernen insbesondere in den Ländern Afrikas unter Zuhilfenahme korrupter Regierungen geplündert. Militärische Invasionen zerstören die Lebensgrundlagen der Menschen in Afghanistan und anderen Ländern. Spekulationen von Großkonzernen mit Nahrungsmitteln treiben die Preise in die Höhe und lassen Millionen hungern, während mehr als genug Nahrung vorhanden ist. Für den Großteil der Weltbevölkerung bleibt das Gerede von Aufschwung und sozialer Marktwirtschaft nichts als reiner Hohn. Der Kapitalismus wird auch zukünftig nicht so funktionieren, wie es uns die bürgerliche Propaganda weismachen will. Dieses System gibt es nicht ohne Krisen, nicht ohne Profitstreben, nicht ohne Zerstörung der Natur, nicht ohne die Zunahme von Armut und nicht ohne die Verschwendung von Ressourcen für Waffen und lediglich aus kommerziellen Beweggründen produzierten Ramsch. Kriege, militärische Interventionen und staatliche Gewalt gegen widerständige Bewegungen gehören ebenso zum vermeintlich demokratischen kapitalistischen System. Seine Krisenhaftigkeit wird auch zukünftig zu Zuspitzungen des Klassenkampfs von oben führen. Zu politischen Krisen, in denen sich die verschiedenen Kapitalfraktionen und bürgerlichen Parteien nicht mehr einigen können und sie ihre Unfähigkeit, dieses System in den Griff zu bekommen, offenbaren. Dadurch verlieren sie weiter das Vertrauen der Bevölkerung. Es werden daher auch immer wieder die Notwendigkeit von Protest und Widerstand vieler Menschen gegen die Profiteure, Kriegstreiber und Sozialabbauer auf die Tagesordnung gebracht und tiefgreifende Veränderungen möglich. Der Sturz der von den imperialistischen westlichen Staaten gestützten Regimes in Nordafrika, haben einmal mehr gezeigt, dass staatliche Krisen auch für fortschrittliche Veränderungen genutzt werden können.
Widerstand aufbauen
So wichtig die klassenkämpferische und politische Praxis ist, so beschränkt bleibt sie doch ohne kontinuierlich arbeitende Strukturen: zum Beispiel Gewerkschaften und kämpferische Basisgruppen in den Betrieben, antifaschistische Gruppen, selbstverwaltete Zentren und Arbeitskreise an Schulen und Unis. All sie sind für den kontinuierlichen, auf Erfahrungen und kollektiven Diskussionen aufbauenden Kampf in den verschiedenen Bereichen eine substantielle Grundlage.
Sich zu organisieren bedeutet auch, der Individualisierung, dem Egoismus und dem Konkurrenzdenken entgegen zu wirken. So wird die Tendenz, die dem Kapitalismus innewohnt und seine Überwindung ermöglicht, aufgegriffen: die Vereinigung der ArbeiterInnenklasse gegen die Klasse, die von Ausbeutung und Unterdrückung profitiert. Unsere heutigen Zusammenschlüsse sind die Grundlage, um zukünftig sämtliche gesellschaftlichen Bereiche selbstbestimmt, kollektiv und solidarisch zu regeln und Strukturen zu entwickeln, die an die Stelle profitorientierter Unternehmen und des bürgerlichen Staates treten. Doch auch die Strukturen in verschiedenen Teilbereichen reichen nicht aus. Wir, die AAZA, die diesen Aufruf erneut veröffentlichen, sind uns darin einig, dass eine politische Kampforganisation notwendig ist, die sich nicht mit der Verbesserung des Kapitalismus beschäftigt, sondern an seiner Überwindung arbeitet. Eine Organisation, die die revolutionäre Theorie und Praxis langfristig und kontinuierlich entwickelt und Information gewährleistet und sich nicht auf tagespolitische Kämpfe beschränkt und darin abarbeitet, sondern deren Dynamiken für den revolutionären Prozess nutzt. Sie kann und darf die verschiedenen anderen Organisationen dabei nicht ersetzen, sondern muss in einem dialektischen, sich ergänzenden und aufeinander aufbauenden Verhältnis zu ihnen stehen und die Selbstorganisation in den verschiedenen Bereichen ermöglichen und unterstützen. Der Aufbau einer revolutionären autonomen Organisation muss heute diskutiert, vorbereitet und entwickelt werden. Die AAZA kann und soll nicht zuletzt hierzu einen Teil beitragen.
Schweizer und Deutsches Kapital und der bürgerlicher Staat sorgen jedoch nicht nur bei der so genannten „eigenen“ Bevölkerung für das Einhalten der Profitinteressen. In Griechenland revoltieren Genoss_innen gegen die Angriffe von Staat und Kapitalismus. Mit kraftvollen Streiks, Massendemonstrationen und militanten Aktionen wird sich dort kämpferisch gegen das massive Kürzungsprogramm der EU und IWF zur Wehr gesetzt. Dieses Kürzungsprogramm bedeutet nämlich schlussendlich für die meisten Griech_innen Privatisierung, Kürzungen im sozialen Bereich, Entlassungen und Senkung der Löhne. In der Schweiz und in Deutschland begleitet dieses Thema eine mediale und politische, rassistische Kampagne. Kredite für die verschuldete Wirtschaft werden als angebliche Hilfeleistung „fleißiger Deutscher“ an „faule Südländer“ verkauft und zwar in vollem Wissen, dass die Gelder eben nicht den Menschen in den betroffenen Ländern wie Griechenland oder Irland zugute kommen, sondern bei Konzernen und Banken landen. Rassismus in Zeiten kapitalistischer Krise eben.
Es gilt dieser rassistischen Kampagne und den anderen Hetzkampagnen in Zeiten der SVP- und NPD entschlossen entgegenzutreten und die Revolten und kämpfenden Menschen in Griechenland und anderswo im Sinne der internationalen Solidarität zu unterstützen.
Denn nur durch die revolutionäre Überwindung kapitalistischer und bürgerlicher Herrschaft kann eine befreite und solidarische Gesellschaft aufgebaut werden, die auf dem gemeinsamen Handeln aller beruht. Nicht dem Kapitalismus gehört die Zukunft, sondern einer anarchistischen und autonomen Gesellschaftsordnung, frei von Ausbeutung, Rassismus und Unterdrückung.
Wir müssen gemeinsam gegen diese Bedingungen auf die Straße gehen und die Ursachen angreiffen!
Den antifaschistischen Widerstand organisieren!
Für Solidarität und Klassenkampf!
Für die Anarchie!














